Satellitenfernsehen
ist die Übertragung von Fernsehprogrammen via Fernsehsatelliten direkt an den Zuschauer, ohne Umwege über terrestrisch übertragene bzw. durch Kabelnetze übertragene Fernsehsignale.
In Mitteleuropa empfangbare und per Satellit übertragene Fernsehprogramme werden beispielsweise von den Astra- oder Eutelsat-Satelliten ausgestrahlt.
Zum Empfang von Satellitenfernsehen wird eine Parabolantenne mit LNB sowie ein Satellitenreceiver benötigt.
Von den 34,83 Millionen deutschen Haushalten haben 13,58 Millionen (ca. 39 Prozent) Satellitendirektempfang über Individualantenne oder eine Gemeinschaftsanlage mit eigenem Satellitenreceiver. Dabei empfingen 2005 4,28 Mio. (31 Prozent) ihr Programm digital über eine Set-top-Box.
Viele Frequenzen ermöglichen viele Programme
Satellitenfernsehen ist heute anderen Rundfunk-Übertragungsverfahren wie Kabelfernsehen (DVB-C) oder terrestrischem Rundfunk (DVB-T) im Bereich der Programmauswahl weit überlegen, da für den Direktempfang ein großer Frequenzbereich zur Verfügung steht (10,7 – 12,75 GHz, Ku-Band). Pro Satellit werden zudem zwei Polarisationsebenen genutzt (meist horizontal und vertikal, seltener links- und rechtsdrehend). Deshalb kann dieser Frequenzbereich doppelt genutzt werden. Jeder einzelne Satellit (bzw. jede Sat-Position mit mehreren Satelliten) kann somit etwa 4 GHz Bandbreite mit einem individuellen Programmangebot belegen (zum Vergleich: Bandbreite Kabel ca. 0,8 GHz, Bandbreite Terrestrik 0,5 GHz mit Einschränkungen).
Legt man allerdings die unterschiedlichen digitalen Modulationsarten bei Satellit (QPSK) und bei Kabel (QAM) und die dadurch benötigten deutlich unterschiedlichen Bandbreiten pro identischem Programmangebot je Transponder/Kanal zugrunde, relativiert sich vorherige Aussage:
- je Satellit: 4 GHz/40 MHz = 100 digitale QPSK-Transponder (4 GHz = Satellitenkapazität, 40 MHz = Bandbreite pro Transponder inkl. Zwischenraum)
- Kabel: ca. 800 MHz/8 MHz = 100 digitale QAM-Kanäle (800 MHz = Kabelkapazität, 8 MHz = Kabelkanalbandbreite)
Geschichtliche Entwicklung - SAT
In den Bestrebungen, eine von Herman Potocnik entdeckte und bereits im Jahre 1928 publizierte Geostationäre Position für den Direkt-Fernsehempfang in Europa zu nutzen, wurden in der Funkverwaltungskonferenz WARC 77 im Jahre 1977 jedem Europäischen Land 5 Kanäle für TV oder Radio auf einer Satellitenposition zugewiesen. Die Position musste sich jedes Land mit bis zu acht anderen Ländern (und damit Satelliten) teilen. Je geostationärer Position waren so 40 Transponder (bei einem Transponderabstand durch Frequenzüberlappung von 19.18 MHz) zu 27 MHz angedacht. Diese Satelliten sollten in Europa entwickelt und in Serie gebaut werden. Der Spacebus 300 Satellitenbus von Aerospatiale, in Zusammenarbeit mit MBB, sollte den Beginn einer glanzvollen europäischen Satellitenzukunft einleiten.
Die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich beschlossen am 2. Oktober 1979 in Bonn ein Rahmenabkommen über den Bau zweier Fernsehdirektsatelliten, die im BSS-Band nach WARC 77 senden und im Jahr 1983 gestartet werden sollten. Durch politische motivierte Streitigkeiten, unter anderem um eine politische Forderung über eine Begrenzung einer TV-SAT-Ausleuchtzone auf das jeweilige Landesgebiet, wurde das Projekt immer wieder verzögert. Die technischen Parameter, vor allem einer zum Satellitendirektempfang notwendigen Sendeleistung und Programmanzahl, entsprachen schließlich zum TV-Sat-Startzeitpunkt im Herbst 1987 dem technologischen Stand von 1978.
Im Jahr 1985 kamen neuartige kostengünstige rauscharme HEMT-LNBs auf den Markt, welche Satellitenfernsehen im Direktempfang erstmals auch Privathaushalten über einen Eutelsat-Satelliten (Orbital-Position 13° Ost) ermöglichten. Dies war nicht unumstritten; so mussten solche individuellen Satellitenempfangsanlagen bei der Behörde angemeldet werden, welche dann eine laufende Gebühr erhob. Anfang der 1990er Jahre forderte die Deutsche Bundespost, Astra-LNBs mit einem zusätzlichen Filter am Eingang ausstatten zu müssen, da sonst möglicherweise eigene terrestrische "Richtfunkstrecken" gestört werden könnten. Diese Befürchtung stellte sich aber als falsch heraus; möglicherweise war eine solche Forderung auch lediglich eine geplante protektionistische Maßnahme. SES Astra war es schließlich, die mit ihrem Medium-Power-Direktempfangssatelliten Astra auf der Orbital-Position 19,2° Ost dem Satellitenfernsehen in Europa in breiter Masse zum Durchbruch verhalf.
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